Yoga (unterrichten) ist … Verantwortung

Es gibt gerade ein Jubiläum, dass ich als Anlass für eine kleine Reflektion nehme: Seit 25 Jahren gebe ich nun Yogakurse und leite die Menschen, die zu mir kommen, in den verschiedenen Übungsformen an: Die Bewegungen ihres Körpers in der Asana-Praxis, ihre Atmung im sogenannten Pranayama und das Üben mit ihrem Geist in der Meditation. Zahlreiche meiner Teilnehmer*innen begleite ich schon über 20 Jahre und es gibt sogar eine Teilnehmerin, die seit meiner ersten Kursstunde dabei ist, als unsere Kinder noch gemeinsam im Kindergarten waren. Erstaunlich, was für einen langen Yogaweg wir schon zusammen gegangen sind. Hinzu kommen noch die Menschen, die gerade neu in meine Kurse gefunden haben; davon sind manche dabei, die ihre allerersten Erfahrungen mit der Yogaübungspraxis machen.

Egal, ob schon lange Zeit dabei oder gerade frisch dazu gestoßen, alle diese Frauen und Männer bringen ihre ganz einzigartige Köperstruktur, ihre individuelle Atmung und natürlich auch ihre persönlichen Gedanken und Gefühle mit in die jeweilige Kursstunde, so wie eben gerade ihre momentane Befindlichkeit ist. Und sie kommen mit dem Wunsch, sich nach dem Üben auf allen drei ganzheitlichen Ebenen, also bezogen auf ihren Körper, ihren Atem und ihren Geist, ein bisschen wohler, leichter, entspannter zu fühlen. Sie wünschen sich:

  • dass sich Verspannungen abbauen und ihr Körper sich geschmeidiger anfühlt,

  • dass sie aufgerichteter und gestärkter nach Hause gehen,

  • dass ihr Atemgeschehen sich freier anfühlt und Ein- und Ausatem ruhiger und gleichmäßiger fließen,

  • dass ihre Gedanken zur Ruhe kommen und sie mehr bei sich und im Augenblick ankommen.

Ich bin ihnen aus tiefem Herzen dankbar für ihr Vertrauen in mich und meinen Yogaunterricht: Sie vertrauen mir nicht nur ihren Körper an, indem ich ihre Bewegungen anleiten darf, sondern ich darf ansagen, wie sie diese Bewegungen mit dem Atem verbinden, wie sie ein Asana intensivieren und wohin sie dabei ihre Wahrnehmung lenken. In den Atemübungen, also im sogenannten Pranayama, verändern sie auf eine von mir vorgeschlagene Weise schrittweise ihren Atem. In der Meditation erlauben sie mir sogar, ihre Gedanken zu führen und sich vielleicht dabei auch mit tieferen Gefühlen zu verbinden.

Dieses Vertrauen, das mir entgegengebracht wird, ruft in mir ein tiefes Gefühl von Respekt und Verantwortung hervor. Ich möchte ihrem Anliegen von einer verbesserten Befindlichkeit nach der Yogastunde gerecht werden. Das bedeutet für mich, alle Übungselemente des Yoga bestmöglich so einzusetzen, dass die dadurch entstehenden Erfahrungen und Veränderungen dem Anliegen meiner Teilnehmenden entsprechen. Dieses erreiche ich,

  • indem ich schon in meiner Stundenplanung aus der Vielfalt der Übungen, die für die Gruppe passenden auswähle,

  • indem ich ihre aktuelle Befindlichkeit abfrage und ihnen für die gewählten Übungen gegebenenfalls Alternativen oder Hilfsmittel anbiete,

  • indem ich im Unterrichten einschätze, wie es den Teilnehmenden mit den ausgewählten Übungen geht und sie eventuell mit Hinweisen und Anpassungen unterstütze,

  • indem ich wahrnehme, wie sich sowohl ihre Bewegungen als auch ihre Atmung und ihre Fokussierung im Verlauf der Übungspraxis verändern,

  • indem ich am Ende erneut ihre Befindlichkeit nach der Übungspraxis erfrage und die Rückmeldungen in die Planung der nächsten Kursstunde einfließen lasse.

Für diese Aspekte benötige ich als Yogalehrende größtmögliche Klarheit über den Einsatz und die Wirkungen der Yogaübungselemente, gesichertes Wissen über die Möglichkeiten der Anpassung bei Einschränkungen und Beschwerdebildern, eine feine Wahrnehmungsfähigkeit sowie Transparenz und Empathie in der Kommunikation. All das entsteht nicht von heute auf morgen, sondern ist ein langjähriger Prozess, in dem man Schritt für Schritt als Yogalehrerin / als Yogalehrer in die notwendigen Kompetenzen hineinwächst. Die Basis dafür bietet selbstverständlich eine umfassende Yogaausbildung, die folgende Aspekte beinhalten sollte:

  • Sie sollte zum allergrößten Teil in Präsenz im sicheren Umfeld einer festen Gruppe stattfinden.

  • Sie sollte Raum für eigene (Übungs-)Erfahrungen und den Austausch darüber bieten.

  • Das vermittelte Wissen sollte die bewährte Tradition des Yoga mit den neuen Erkenntnissen aus Medizin und Forschung verbinden, damit ein gesundes Üben für die heutigen Menschen in ihrem besonderen Kontext gewährleistet wird.

  • Es ist wichtig, die Übungselemente des Yoga in ihrem Kern zu verstehen, um sie dann an die übenden Menschen anpassen zu können und dabei ihre positiven Wirkungen zu erhalten.

  • Die für den Yogaunterricht notwendigen Kompetenzen sollten mit modernen Lernmethoden erworben werden können, auch in der selbstständigen Erarbeitung sowie in der Reflektion und im Austausch mit den anderen Lernenden.

  • Bei dem ganzheitlichen Yoga-Übungsweg sollten die Inhalte zu den verschiedenen Aspekten des Yoga (Körper, Atem und Geist) miteinander vernetzt vermittelt werden, um die Zusammenhänge zwischen ihnen zu verstehen.

  • Hierbei ist es wesentlich, alle Inhalte sowohl in der Theorie als auch in der eigenen Erfahrung und in ihrer praktischen Anwendung im Yogaunterricht zu durchdringen.

  • Auch die Schritte in das eigene Unterrichten und die zukünftige Rolle als Yogalehrende/r sollten im sicheren Rahmen einer guten Yogalehrausbildung mehrfach geübt, moderiert und durch Supervision begleitet werden.

Diese vorgenannten Kriterien sind keine Selbstverständlichkeit auf dem großen Markt der Yogaausbildungen, sind jedoch alle im Curriculum der umfassenden Yogalehrausbildung BDY/EYU integriert. Wenn wir uns der Verantwortung für unsere Yogateilnehmer/innen bewusst sind, wird klar, wie umfassend der Weg dahin ist, eine gute Yogalehrerin / ein guter Yogalehrer zu werden. Doch der Einsatz lohnt sich auf jeden Fall: Die Verbindung, der Austausch und die gegenseitige Wertschätzung mit meinen Kursteilnehmenden ist für mich immer ein Quell größter Freude. Und ich kann mir beruflich nichts Schöneres vorstellen, als mein Wissen und meine Erfahrungen in Unterstützung mit meinem wunderbaren Dozent*innen-Team weiterzugeben, um gut ausgebildete Yogalehrer*innen in die Welt zu schicken, die ihrerseits kompetent und zugewandt für ihre Kursteilnehmenden sorgen.

Von Herzen Dank an alle Lehrenden, Lernenden und Übenden, die mich auf meinem Yogaweg begleitet haben! Namaste Claudia

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Yoga ist…ein Weg der Veränderung unseres Geistes