Yoga ist…ein Weg der Veränderung unseres Geistes

Was bedeutet Yoga eigentlich jenseits von Asanapraxis, Atemübungen und Meditation?

 

In unserer Reihe „Yoga ist…“ nähern wir uns dieser Frage aus verschiedenen Perspektiven. Heute: Yoga als ein Weg, der unser Gehirn verändert – und damit unser Erleben der Welt.

 

Der Neuropsychologe Rick Hanson beschreibt in seinem Buch „Das Gehirn eines Buddha“, wie sich durch bewusste Praxis, Achtsamkeit, Meditation und innere Ausrichtung, die Struktur und die Funktionsweise unseres Gehirns nachhaltig verändern können. Moderne Neurowissenschaften zeigen: Das menschliche Gehirn ist formbar und diese Veränderbarkeit wird als sog. Neuroplastizität bezeichnet. Alle Erfahrungen hinterlassen Spuren in unserem Geist: Was wir wiederholt denken, fühlen und tun, prägt unsere individuellen neuronalen Netzwerke.

Diese Erkenntnis ist für uns im Yoga nicht neu und doch ist es berührend, wie die Wissenschaft heute bestätigt, was in den traditionellen Lehren seit Jahrtausenden beschrieben wird.

 

Im Yogasutra von Patanjali finden wir im ersten Kapitel dazu eine zentrale Aussage:

„Yoga citta vṛtti nirodhaḥ“: Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Bewegungen im Geist.

 Wenn wir Hansons Perspektive danebenlegen, entsteht eine spannende Parallele:

Das, was im Yogasutra als vṛtti, als geistige Bewegungen, Muster und Konditionierungen beschrieben wird, können wir heute auch als neuronale Aktivitätsmuster verstehen. Und das „Zur-Ruhe-Bringen“ ist kein einmaliger Zustand, sondern ein Prozess des Umlernens, des bewussten Kultivierens einer klaren und neutralen Wahrnehmung dessen, was in einem Augenblick ist. Rick Hanson spricht davon, dass unser Gehirn normalerweise eine „Negativitätsverzerrung“ hat: Es speichert unangenehme Erfahrungen schneller und intensiver als angenehme. Aus evolutionsbiologischer Sicht war das sinnvoll, denn es sicherte unser Überleben. Doch im heutigen Leben führt es oft zu Stress, innerer Unruhe und einem Gefühl von Mangel.

 Hier setzt die Praxis an. Yoga ist in diesem Sinne ein Training unsere Wahrnehmung:

Wir lernen, unsere Aufmerksamkeit bewusst auszurichten. Wir verweilen bei dem, was gerade ist und gut tut. Wir üben, hilfreiche Erfahrungen wirklich „einsinken“ zu lassen: im Körper, im Nervensystem und im Geist.

 Im Viniyoga geschieht das sehr konkret:

durch eine achtsame Verbindung von Atem und Bewegung, durch individuell angepasste Praxis, durch das bewusste Erleben im Moment. Diese Form der Praxis schafft neue Erfahrungen und damit neue Spuren im Gehirn im Sinne der Neuroplastizität.

Oder, um es in der Sprache des Yogasutras zu sagen:

Wir kultivieren neue saṁskāras, neue innere Prägungen.

Yoga ist also nicht nur ein Weg zur Entspannung. Es ist ein Weg der Transformation. Ein Weg, auf dem sich Wissenschaft und kontemplative Tradition begegnen. Ein Weg, auf dem wir lernen, wie wir unser Erleben aktiv gestalten können – mit Klarheit, Präsenz im Augenblick, Selbstfürsorge und innerer Stabilität.

 Vielleicht ist Yoga genau das:

eine Praxis, die uns hilft, ein „Gehirn wie ein Buddha“ zu entwickeln. Nicht im Sinne eines Ideals, sondern als Ausdruck von Präsenz, Weisheit und Verbundenheit mit sich selbst im Alltag.

In unserer Viniyoga Ausbildung verbinden wir dieses alte Wissen mit modernen Erkenntnissen aus der Wissenschaft und Forschung und eröffnen einen Weg, Yoga zu verstehen und Schritt für Schritt selbst zu erfahren.

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Yoga ist … lebendige Ausbildung