Yoga ist … eine besondere Atemqualität

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Yoga ist ganzheitliches Üben mit den Aspekten des Körpers (Schwerpunkt Asana – Praxis), des Atems (Schwerpunkt Pranayama) und des Geistes (Schwerpunkt Meditation). Damit eine Yoga–Praxis ihre positiven Wirkungen entfalten kann, sollen beim Üben mit den drei Aspekten besondere Qualitäten angestrebt werden, die oft anders sind als die Zustände von Körper, Atem und Geist in unserem Alltag. Im letzten Beitrag habe ich die Qualität bezogen auf den Aspekt des Körpers erläutert: Hier sollten wir ein möglichst ausgewogenes Verhältnis der beiden Qualitäten Stabilität und Leichtigkeit erreichen. Heute möchte ich die Qualität bezogen auf den Aspekt des Atems in der Yoga-Praxis erläutern.

Im Alltag nehmen wir unseren Atem selten bewusst wahr, meist nur wenn wir nach einer erhöhten Anstrengung kurzatmig werden oder bei einer Erkältung das Gefühl haben, nicht genug Luft zu bekommen. Im Yoga hingegen lenken wir unsere Aufmerksamkeit ganz bewusst auf unseren Atem, beobachten sein Kommen und Gehen, seinen Rhythmus, seine Tiefe, seine Länge und seine Gleichmäßigkeit. Und allein diese Hinwendung zum Atem führt oft schon zu einer leichten, meist positiven Veränderung. Wenn wir nun in der Yoga-Praxis, z. B. über den Einsatz der Kehlatemtechnik, gezielt Einfluss auf unsere Atemqualität nehmen, haben wir die Möglichkeit unsere körperliche und mentale Gesundheit positiv zu beeinflussen. Dieses gilt sowohl für den Atem in der Asana-Praxis als auch in beim Praktizieren der Atemübungen, dem sog. Pranayama. Dabei wird keine Atemtechnik um ihrer selbst Willen geübt, sondern damit unser Üben seine positiven Wirkungen entfalten kann, sollte der Atem in einer besonderen Qualität geführt werden.

Diese besondere Atemqualität wird im Yoga Sutra von Patanjali im Sutra 2.50 beschrieben, wo die Praxis der Atemübungen definiert wird:

„Pranayama beinhaltet die Regulierung der Ausatmung, der Einatmung und der Atemverhaltung. Diese 3 Prozesse werden reguliert, indem wir das Verhältnis ihrer Länge zueinander bestimmen, dieses Atemverhältnis über eine gewisse Anzahl von Atemzügen beibehalten, unseren Geist auf diesen Prozess ausrichten und dadurch einen langen und gleichförmigen Atem erreichen.“

In der Sprache des Sanskrit, in der das Yoga Sutra verfasst wurde, wird die besondere Atemqualität mit den Begriffen „dirgha sukshma“ beschrieben, was übersetzt „lang, fein und gleichmäßig“  bedeutet. Oft wird hierbei das Bild eines lang, fein und gleichmäßig gesponnenen Fadens benutzt, um diese Qualität zu erläutern. Wenn wir nun nach einiger Zeit des Yoga-Übens gelernt haben, unseren Atem in dieser besonderen Qualität zu führen, entstehen u. a. folgende positive Veränderungen:

  • Wir können unseren Körpers in der Asana-Praxis aus diesem Atemfluss heraus achtsamer, feiner und koordinierter bewegen, was sich positiv auf die Funktionsweise unserer Muskulatur auswirkt.

  • Wir erlernen neue, gesündere Atemmuster, die sich dann durch das regelmäßige Yoga-Üben nach und nach auch in unserem Alltag etablieren können.

  • Durch die Ausrichtung auf die Atemführung in der Qualität von „dirgha sukshma“ kommen unsere Gedanken zur Ruhe und wir können ganz bei uns im jeweiligen Augenblick ankommen. Und das nicht nur in der Yogastunde, sondern auch in jedem Moment unseres Alltags, wenn wir diese Methode nutzen möchten, um unsere Wahrnehmung mehr auf uns selbst zu lenken.

Hierzu noch zum Abschluss ein Gedanke des buddhistischen Mönches Thich Nhat Hanh:

„Im Alltag jagt unser Geist tausend Dingen nach und wir verlieren den Kontakt zu uns selbst. Durch bewusstes Atmen können wir so schnell wie ein Lichtblitz zu uns selbst zurückkehren.“

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