Yoga ist … Stabilität und Leichtigkeit
Yoga ist Üben auf der Ebene des Körpers (Schwerpunkt Asana – Praxis), des Atems (Schwerpunkt Pranayama) und des Geistes (Schwerpunkt Meditation). Dadurch, dass die Bewegungen des Körpers achtsam aus unserem Atem heraus geführt werden, entsteht die besondere Verbindung von Körper, Atem und Geist, die den Yoga ausmacht. Damit eine Yoga–Praxis ihre positiven Wirkungen entfalten kann, sollen beim Üben auf den drei Ebenen besondere Qualitäten angestrebt werden, die anders sind als die Zustände von Körper, Atem und Geist im Alltag.
In diesem Beitrag möchte ich die Qualität in der Asana-Praxis, also in der Praxis der Körperübungen erläutern:
Im Alltag sind wir uns unserer Körperhaltung oft nicht bewusst und auch unsere Bewegungen folgen meist unbewussten, über viele Jahrzehnte eingespielten Mustern. Hieraus können sich unter Umständen ungünstige Haltungs- und Bewegungsmuster manifestieren, die sich z. B. in Verspannungen, Körper-Asymmetrien und muskulären Dysbalancen äußern, aufgrund derer wir auch manchmal den Weg in den Yogakurs finden.
Im Yoga geht es in der Asana-Praxis darum, mit den achtsam aus dem Atem heraus geführten Körperübungen für uns positive Bewegungs- und Haltungsmuster zu erlernen. Durch wiederholtes Üben entwickelt sich zum einen eine Bewusstheit bezogen auf unseren Körper und zum anderen können sich die positiven Muster nach und nach etablieren, so dass sie auch Teil unserer alltäglichen Haltungs- und Bewegungsmuster werden können. Hierbei streben wir in der Asana-Praxis eine besondere Qualität an:
Die Körperpraxis des Yoga sollte uns die Erfahrung ermöglichen, Stabilität und Achtsamkeit mit Leichtigkeit und Wohlbefinden zu verbinden.
Im Sutra 2.46 im Yogasutra des Patanjali wird Asana-Praxis sogar über das Gleichgewicht dieser Qualitäten definiert:
„sthira sukham asanam“
„Asana sollen gleichermaßen die Qualitäten Stabilität und Leichtigkeit haben.“
(sthira = stabil, achtsam, sukha = entspannt, leicht, asanam = Körperhaltung)
Asana-Praxis macht uns vertrauter mit unserem Körper. Wir lernen seine Sprache besser zu verstehen, seine Äußerungen früher wahrzunehmen. Wenn wir aus dem Atem heraus üben, lenkt das feinere Element unsere Bewegungen und wir üben auf eine zu uns passendere Weise. Dadurch dass wir in der Asana-Praxis die Qualität von sthira sukham anstreben, entwickelt sich ein Üben ohne überflüssige Spannung, wir führen unsere Bewegungen sicher und harmonisch und gelangen vom unbewußten zum bewußten Umgang mit unserem Körper auch in unserem Alltag.